Das schwule Staffelmärchen

Das Staffelmärchen wurde von den Schwufoianern etappenweise selbst geschrieben.

Dies ist die Geschichte von Loki, der irgendwie anders war als die anderen …

[Ulrich]
Es war einmal vor langer, langer Zeit eine Familie mit drei Kindern. Der Familie ging es sehr gut, denn dort wo sie lebten, es war ein weit entferntes Land, in dem noch kein Fremder jemals vorgestoßen war, gab es alles was man zu leben brauchte und darüber hinaus noch eine Menge mehr. Die drei Geschwister waren ungefähr gleich alt und hatten viel Spaß miteinander, denn es gab viel zu entdecken. Auch die Eltern hatten immer noch viel Lebensfreude, weil sie auch manchmal Dinge tun konnten, die sie nicht unbedingt mussten. Die Familie war natürlich nicht die einzige in diesem Land, sondern es gab sehr viele andere Familien. Alle hatten drei Kinder und allen ging es sehr gut. Viel redeten sie nicht miteinander, auch kannten die Familien sich kaum. Sie waren alle so zufrieden mit ihrer eigenen, dass sie kein sehr großes Bedürfnis hatten, mit Nicht-Familien-Mitgliedern darüber zu sprechen. Allen ging es dabei gut, keiner fühlte sich schlecht, wenn er dem anderen nicht einmal einen „Guten Tag“ wünschte, weil jeder wusste, das es für den anderen auf jeden Fall ein guter Tag ist. Man hielt es einfach für überflüssig. Dennoch …

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[Jan]

… war es eine nur scheinbar heile Welt, sie war ziemlich kühl und anonym, denn niemand interessierte Freud und Leid der anderen. Das lag zum Teil daran, dass es in dem weit entfernten Land ja eigentlich kein Leid und keine Sorgen gab. Aber wie es nun einmal ist, wenn alles perfekt scheint, so geschah auch in diesem Landeines Tages etwas völlig Unerwartetes:

Es war wieder einmal so weit, dass eine Familie ihr drittes Kind erwartete. Das Kind kam zur Welt, es wurde Loki genannt, und endlich war diese Familie eine richtige Familie mit drei Kindern, so wie alle anderen auch. Nach ein paar Wochen wuchsen jedoch Lokis erste Haare- und die Eltern bekamen einen Riesenschreck, denn die Haare waren grün! Die Eltern waren am Boden zerstört und völlig ratlos. Die Mutter machte sich Vorwürfe und überlegte, was sie in der Schwangerschaft wohl falsch gemacht haben könnte. Zum ersten Mal in seinem Leben machte sich der Vater Sorgen. Wie sollte Loki mit grünen Haaren je ein normales Leben führen, wie könnte Loki je glücklich werden?

Wenn es auch nicht viel Kontakt zu den anderen Familien gab, so wussten die Eltern doch, dass etwas nicht alltägliches, etwas fremdes sofort Aufmerksamkeit erregen würde. Die Eltern liebten Loki über alles. Ihre größte Angst war, dass irgendjemand erfahren könnte, dass ihr Kind anders war als die anderen. Und sie hatten Angst vor dem was dann passieren könnte, wenngleich sie auch nicht wussten, was passieren würde. Da hatte der Vater eine Idee. Er färbte Lokis Haare einfach schwarz. Nun mussten sie Loki nicht länger verstecken. Sie waren wieder eine glückliche, normale Familie, eine wie alle anderen und niemand ahnte, dass die Familie etwas zu verbergen hatte. Die Zeit verging, Loki wurde älter und alles verlief normal, bis…

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[Wolfgang]
… Loki eines schönen Tages dem Vater berichtete, dass es nun an der Zeit für ihn sei, die wahren Freuden des Lebens kennen zu lernen. Loki schnürte deshalb sein Bündel und verließ das elterliche Haus in Richtung der großen weiten Stadt.

Die Zeit verging und in der Familie, die eigentlich ja nun mit nur noch zwei Kindern keine richtige Familie mehr war, war die Trauer um Lokis Fehlen sehr groß. Die Mutter machte sich Sorgen, dass Loki einmal nicht die richtige Farbe für seine Haare bekommen würde und der Vater bangte, dass der Junge wohl nie eine passende Frau finden würde, weil diese doch das Anderssein wegen Lokis Haare spüren musste. Und so war es auch:

Loki hatte schon lange in der Stadt beschlossen, sein Haare so zu tragen, wie es für ihn das Schicksal vorgesehen hatte. Auch an Frauen schien er kein besonderes Interesse zu zeigen, weshalb die Ahnung des Vaters wohl nicht ganz falsch war. Loki bevorzugte dunkle, feuchte Räume in denen er mit anderen Männern die Freuden des Lebens genoss und in welchen seine grünen Haare keine sonderliche Rolle spielten. So vergingen die Jahre und die Eltern hofften, dass Loki wieder zu ihnen zurück kommen würde.

Eines Tages war es dann so weit, Loki stand mit grünen Haaren und der Liebe seines Lebens, welche das gleiche Geschlecht und auch grüne Haare hatte wie er, vor der elterlichen Tür und bat um Einlass. Der Vater, der aber gleich wusste welches Unheil nun über die Familie hereinbrechen sollte, rannte in seine Kammer um die eiserne Kanone zu holen und sie auf den Sohn zu richten. Gerade als er den Schusshahn ziehen wollte, sah er just in diesem Augenblick noch einmal alle schönen Erinnerungen, die er mit Loki hatte und dann, von kalten Schweiß gebadet, wachte er auf. Alles war nur ein böser Traum gewesen. Keine grünen Haare, keine dunklen Räume, nichts von alledem war wahr. Loki schlief friedlich in seinem Bette und der Vater freute sich auf den nächsten Tag….

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[Norbert]
…Er ging nämlich nicht mehr wie früher arbeiten, sondern wie jeden morgen nach dem Frühstück, von 8.00 bis 9.00 Uhr zu seiner Gesprächsgruppe.

Dort traf er sich immer mit Achim, einem Mitpatienten. Achim war schon sein 14 Jahren in der Landesnervenklinik und kannte all die Tricks und Strategien, mit denen die Therapeuten versuchten, in das Innere ihrer Klientel vorzudringen. Wieso Achim im Krankenhaus war, hat Lokis Vater ihn nie gefragt. Die Ärzte gingen davon aus, dass auch er das Problem hatte zu unterscheiden, was Traum und was Wirklichkeit war.

Bei Lokis Vater fing das damals an, als Loki ihm mit grünem Haar seinen Freund vorstellte. Details erfuhren die Mediziner von Loki, der sehr besorgt um seinen Vater war. Zunächst durfte er ihn einige Tage lang nicht besuchen, weil die Ärzte befürchteten, sein Erscheinen könnte die schlimmen Tobsuchtsanfälle auslösen. Doch diese Befürchtung bewahrheitete sich Gottseidank nicht. Die vielen bunten Pillen die Lokis Vater über den Tag hinweg einnahm, bewirkten, dass er in einer heilen Welt lebte und keine Unterschiede mehr erkennen konnte. Alles war für ihn gleich, egal, scheissegal.

Während dieser Zeit war Lokis Beziehung zu seinem Freund Curlie stark belastet. Sie machten sich beide Vorwürfe und warfen sich gegenseitig vor, Schuld an der dramatischen Entwicklung Lokis Vater zu sein und vergaßen beinahe die schöne Zeit, die sie bisher miteinander verbringen konnten und das Geheimnis, das sie seit dem Tag ihres Kennenlernens gemeinsam hüteten. Es geschah nämlich an einem regnerischen Februarmorgen, als hämmernde Faustschläge laut an Lokis Tür pochten und eine verzweifelte männliche Stimme flehend um Einlass bat. Loki blickte ängstlich durch den Spion und im Flur sah er Curlie mit seinen grünen schulterlangen Spaghettilocken, blutüberströmt.

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[Felix]

Loki rief laut um Hilfe, nahm Curlie in den Arm und fragte, wie das nur passieren konnte. Curlie jedoch begann seinerseits auf Loki tröstend einzureden und rüttelte ihn ein wenig. „Alles nicht so schlimm!“ sagte er, „das ist doch nur Tomatensoße!“ Loki roch an einer der vermeintlichen Wunden von Curlie und identifizierte die rote Flüssigkeit tatsächlich als Tomatensaft.

Curlie sagte, eine Hexe wollte ihn verzaubern, der Zauber sei ihr jedoch nicht ganz gelungen. Die Hexe hatte schon vor langer Zeit ein Auge auf Loki und Curlie geworfen. Ihr Drang nach den beiden war so stark, dass sie versuchte, Curlie zu verhexen. Nun musste natürlich der Tomatensaft abgewaschen werden. Curlie war schließlich ganz überströmt damit.

Loki begleitete Curlie in den Baderaum, wo bereits ein Diener das Wasser für Curlie eingelassen hatte. Langsam nahm Loki Curlies Kleider von ihm und ließ selbiges auch mit sich geschehen. Kurz nachdem beide die Wanne bestiegen, zerbarsten die Fensterscheiben. Ein Donnergrollen rollte über das friedliche Land, und der Regen peitschte auf das Dach wie ein Meister auf sein Sklave. Etliche Blitze zischten durch die Landschaft und aus dem Schlüsselloch quoll ein bläulich schimmernder Nebel hervor. Plötzlich zerfiel die Tür in Staub und die Hexe betrat das Badezimmer. Curlie und Loki umklammerten sich ängstlich. Waren sie im Traum oder in Wirklichkeit? Aber nein, es war kein Traum.

Mit Riesenschritten begann, die Hexe auf die Wanne zuzuschreiten und spielte dabei mit ihren weiblichen Reizen. Loki und Curlie schauten entsetzt in die andere Richtung. Und plötzlich verwandelte sich die Hexe in einen Mann. Es war nun ein hübscher Jüngling, etwa 21 Jahre alt. Er schien von so unvergänglicher Schönheit zu sein, jedoch war den beiden bewusst, dass dies nur die Hexe sein konnte. Doch nun starrten sie nicht mehr weg, sondern hin. Und plötzlich stieg das nun männliche, verlockende Wesen zu Curlie und Loki in die Wanne…

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[Kenan]

… und rutschte an der nassen Oberfläche der Wanne aus. Die Hexe fiel so ungeschickt hin, dass sie mit dem Kopf an der Kante aufschlug und bewusstlos wurde. Loki und Curlie starrten entsetzt auf den regungslosen Körper. Ihr Blick wanderte am Leib entlang, dabei entdeckten sie den Zauberstab, den die Hexe immer noch fest in der Hand hielt.

Beide mussten sich nur kurz in die Augen schauen und wussten gleich, dass der andere den selben Gedanken hegte, was sie sich durch ein verschmitztes Grinsen gegenseitig bestätigten.

Schnell nahm Loki der Hexe den Zauberstab aus der Hand und stand mit zittrigen Händen mitten im Zimmer. Sowohl Loki als auch Curlie war in diesem Moment bewusst, welche Möglichkeiten sich durch die Kraft des Stabes ergaben. Sie konnten sich Unmengen an Reichtümern wünschen, die Krankheit von Lokis Vater beseitigen oder die Ursache allen Übels, ihre Andersartigkeit, in Luft auflösen lassen.

Beide sahen sich tief in die Augen. Jetzt hätten sie die Möglichkeit dem Leid ihrer Eltern und den Ausgrenzungen der Nachbarn ein Ende zu setzen. Sie könnten dadurch ein friedvolles Leben im Dorf verbringen.

Ohne das es irgendwelcher Worte bedarf, war die Entscheidung klar. Loki griff fester um den Zauberstab und setzte gerade an, seinen Wunsch laut auszusprechen, als plötzlich eine Stimme laut Lokis Namen rief …

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[Stefan]

Loki und Curlie schauten sich um und waren verwundert, weil sie niemanden entdecken konnten. Die Stimme jedoch ertönte noch einmal wie mit leisen Glöckchen und rief „Hier oben“. Loki und Curlie schauten nach oben und entdeckten ein fliegendes, kleines Wesen, das ganz in weiß erstrahlte.

„Benutzt nicht den Zauberstab, er bringt nur Unheil!“ versuchte das Wesen die beiden zu stoppen. Doch Loki hatte den Zauberstab schon zu weit geschwungen, auch wenn er noch versuchte, ihn anzuhalten, es war zu spät. Ein lauter Knall ertönte, Loki und Curlie standen plötzlich im Nichts. Sie starrten einander an und fragten sich, wo denn die restliche Welt geblieben war, denn um sie herum gab es nur eine gleißende Helligkeit. Ob sie sich per Zauberstab selbst in den Himmel befördert hatten? Sie wussten es nicht. Wie also alles rückgängig machen? Loki und Curlie waren sehr verunsichert und verängstigt.

„Na wunderbar, das habt Ihr ja toll hinbekommen.“ Das kleine Wesen schien ziemlich verärgert! Loki wunderte sich: „Wie kommt es denn, dass du auch hier bist? Sonst ist doch alles verschwunden!“ „Verschwunden?“ klang die gereizte Stimme von oben, „verschwunden ist hier überhaupt nichts. Wir sind von eurer Welt verschwunden, nicht umgekehrt! Ich bin hier genauso gefangen wie ihr.“ „Wo sind wir denn dann“, fragte der ängstliche Curlie, „sind wir tot?“ „Besser wäre das wohl gewesen! Jetzt sitzen wir hier in diesem Paralleluniversum fest, in dem eure Welt nicht mehr existiert!“

„Nicht mehr existiert?“ „Ja, ihr wolltet doch eine neue Welt erschaffen! Nur ist dieser Zauberstab mit Sicherheit kein Glücksbringer, aber eigentlich konntet ihr das ja auch nicht wissen“, schien sich das Wesen wieder ein wenig zu beruhigen. „Die Frage ist nur, wie wir das wieder rückgängig machen können!?“ Als sie einander fragend anschauten, ertönte ein Geächze und Gestöhne unter ihnen. „Mist, die Hexe haben wir auch hierher gezaubert“, fluchte Loki, „wir müssen sie ausschalten!“ Er wollte ihr gerade den Zauberstab auf den Kopf schlagen, als…

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[Sven]

…die Hexe rief: „Tut das besser nicht, denn nur ich kann euch hier wieder rausbringen!“ „Glaubt ihr nicht“, sagte das kleine Wesen, „sie ist böse und will Euch vernichten.“ „Nein“, sagte die Hexe, „ihr könnt euch doch daran erinnern, wie ich mich in einen schönen Jüngling verwandelt habe! Genau das ist mein Zwiespalt, äußerlich bin ich eine Frau, doch im Innersten fühle ich wie ein Mann. Darum wollte ich ja auch zu euch in die Wanne steigen, bevor mir dieses blöde Missgeschick passiert ist. Bitte, ihr müsst mir glauben, ich tat es nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus unerfüllten Sehnsüchten. Ich möchte als Mann mit Männern zusammensein können, doch es ist mir nicht vergönnt…“, die Hexe fing bitterlich an zu weinen.

„Gott, gibt es hier denn gar keine normalen Menschen mehr?“, fragte das kleine Wesen. „Normale Menschen?“, Curlie und Loki schauten sich irritiert an. „Eine Hexe würde ich nicht als Menschen bezeichnen“, sagte Loki, „aber kannst du dir nicht selbst mit dem Zauberstab helfen?“, fragte er die Hexe. „Oh nein, ich habe es schon versucht, aber der Zauber hält immer nur wenige Augenblicke lang.“, erklärte ihnen die Hexe. „Wenn du uns wieder in unser altes Universum zurückbringen kannst, dann wollen wir dir helfen, denn wir können dich sehr gut verstehen, schau dir nur unsere Haare an.“, sagte Curlie und blickte den nickenden Loki an. „Ja, hilf uns und wir werden einen Weg für dich finden, glücklich zu werden.“, bestätigte Loki.

Curlie und Loki wurden etwas nachdenklich, sie wollten der Welt entfliehen, dabei hatten sie doch sich. Wie schlecht hingegen ergeht es doch der Hexe, die ja nicht mal eins ist in sich. „Bring uns erst mal wieder zurück,“ sagte Loki, “ dann finden wir eine Lösung.“ „Und was ist mit mir?“ fragte das kleine weiße Wesen. „Wer bist du eigentlich“, fragte Curlie „und was willst du von uns?“ „Oh, entschuldigt, dass ich in dem Trubel ganz vergessen habe mich vorzustellen. Ich bin der Schutzengel der Andersfühlenden und heiße Wieso.“, sagte das weiße Wesen. „Aber wir sollten sehen, dass wir hier endlich wegkommen.“ „Ja, möglichst schnell!“, bestätigten Curlie und Loki. „Na gut“, sagte die Hexe, dann wollen wir mal. Sie ließ sich den Zauberstab

geben. Nun rutschten alle näher beisammen, die Hexe schwang ihren Zauberstab und murmelte dazu einige magische Wörter, als ein greller Blitz die vier umschloss, herumwirbelte und sie schließlich …

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[Oliver]

…. in einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer standen. Sie hörten einen Mann sprechen: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühen. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“

Loki sah Curlie an, als er diese Worte hörte. Er sagte zu ihm: „Ja, ich bin jetzt auch nicht schlauer. Wo sind wir denn jetzt schon wieder gelandet?“ Als der Mann die beiden sprechen hörte, drehte er sich zu ihnen um. „Ich habe euch schon erwartet“, sagte er. „Ich kann euch allen helfen, euren richtigen Platz im Leben zu finden.“ „Ja aber wer bist du denn? Weshalb willst ausgerechnet du uns helfen können?“ wollten die vier wissen. „Ein mächtiger Mann hat mich damit beauftragt, euch zu helfen. Mehr dürft ihr nicht wissen“, war die Antwort des Mannes.

Er fragte die Hexe: „Entscheide dich, willst du dauerhaft zu dem Mann werden, der du aus eigener Kraft immer nur für kurze Zeit sein kannst?“ „Ja“, sagte die Hexe. „Das ist mein größter Wunsch!“ „Hast du keine Bedenken?“, wollte der Mann wissen. „Nein“, entgegnete die Hexe. Der Mann nahm eine kleine Flasche vom Regal, schüttete einige Tropfen auf den Kopf der Hexe, rosafarbener Rauch stieg auf und die Hexe war verschwunden. Der Mann sagte zu den anderen: „Er wird jetzt als Mann leben können, so wie er es immer wollte.“

„Und nun zu dir, Wieso. Ich habe einen ganz wichtigen Auftrag für dich. Du bist ein Schutzengel der Andersfühlenden. Man hat festgestellt, dass du alleine deine vielfältigen Aufgaben gar nicht erfüllen kannst: Überall auf unserer Welt gibt es Menschen, die verfolgt werden. Verfolgt ihrer Rasse, ihrer Religion, einer Behinderung, ihrer Überzeugungen oder ihrer Gefühle für ihr eigenes Geschlecht wegen. Du sollst zusammen mit vielen weiteren Schutzengeln für sie eintreten. Sie sollen spüren, dass sie nicht alleine sind. Dass die Gesellschaft ihre „andere“ Art akzeptiert und sie deswegen nicht länger bestraft oder verachtet werden.“ Er schüttete einige Tropfen über Wieso. Wieder der Rauch und auch Wieso verschwand.

Da fragte Loki den Mann: „Kannst du auch uns helfen?“. Der Mann entgegnete „Aber sicher“. „Ihr müsst nur wissen, was ihr wollt. Ich führe dann eure Wünsche aus.“ „Wir wissen nicht, was wir wirklich wollen“, sagte Curlie. „Wir lieben uns, aber man akzeptiert unsere Liebe nicht überall. Eine Liebe, die so schön ist, die aber trotzdem ihren Namen nicht zu nennen wagt.“ „Diese Entscheidung müsst ihr ganz alleine treffen. Ich kann euch zwar Gefühle für eine Frau geben, aber tief in euch werdet ihr immer ein anderes Verlangen haben. Seinen wahren Gefühlen kann niemand entkommen!

Wollt ihr also ein „normales“ Leben führen und irgendwann vielleicht feststellen, dass dieses Leben verlogen und falsch war? Dass ihr euch selbst belogen habt? Oder wollt ihr so leben, wie ihr wirklich seid? Zwar Ablehnung erfahren, aber dafür feststellen, dass ihr euch selbst gegenüber aufrichtig wart? Dass ihr viel später feststellen könnt, dass ihr euch selbst treu geblieben seid, mit euch selbst im reinen?“

Curlie nahm Lokis Hand. Beide sahen sich tief in die Augen. Nach einer Weile sagte Loki: „Wir haben uns entschieden. Auch wenn es vielleicht manchmal nicht einfach für uns werden wird, wollen wir endlich zeigen, wie wir leben. Dass wir uns lieben. Wir wollen uns vor niemandem verstecken oder für unsere Gefühle schämen!“

„Ja“, sagte Curlie. „Loki hat Recht!“ Der Mann nahm seine Flasche und goss einige Tropfen auf die Köpfe der beiden, die sich umarmten und ganz fest aneinander schmiegten. Sie sahen plötzlich nichts mehr. Statt dessen hörten sie eine Stimme: „Das hast du gut gemacht, Faust.“ „Ja“, sagte der Mann. „Ich wünsche den Beiden alles Gute. Sie haben die Weisheit und Erkenntnis, die ich schon so lange vergeblich suche.“

Die letzten Worte konnten Curlie und Loki nicht mehr hören. Sie erwachten kurze Zeit später wieder und ….

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[Jörg]

schauten sich verwundert um. Sie lagen in einem uralten großen Holzbett in einer Bauernstube. Loki und Curlie standen schnell auf und stellten fest, dass sie auf einem Bauernhof gelandet waren, der weitab von jeder Zivilisation stand. Sie schienen die einzigen Menschen auf diesem Hof zu sein. Im Stall neben dem Wohnhaus standen einige Pferde, Kühe und Schweine und warteten ungeduldig auf Futter.

„Was sollen wir hier?“ fragte Curlie, „ich dachte wir kämen in eine große Stadt, um zu zeigen wie wir sind und zu uns zu stehen.“ „Vielleicht muss der komische Typ mit dem Zaubersaft noch etwas üben.“ meinte Loki. „oder er wollte uns erst noch Zeit für uns geben, damit wir sehen können wie wir zusammen leben und arbeiten können.“ antwortete Curlie.

Also fingen die beiden an, sich auf dem Bauernhof einzurichten. Sie kümmerten sich um das Vieh und die Felder und lebten von den Erträgen ihrer Arbeit. Bei dem Hof erschien nie eine fremde Person und bei ihren bis zu 3-tägigen Ausflügen haben sie nie Anzeichen von anderen Menschen finden können. Dennoch kamen sie mit ihrem neuen Leben ganz gut zurecht, sie fühlten sich wohl und hatten ausreichend Nahrungsmittel zum leben.

So führten Loki und Curlie eine Zeitlang ein ganz normales Leben. Doch langsam stellte sich eine Veränderung ein: Ihre grüne Haarfarbe wuchs allmählich heraus und Loki bekam blonde Locken und Curlie braune. Alles war jetzt endlich ganz normal. Doch vor allem Loki störte etwas, dass sie keine Kinder hatten, denn von seiner Kindheit war er immer eine große Familie mit drei Kindern gewohnt und Curlie war mit ihrer Normalität irgendwie unzufrieden.

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[Daniel]

Also beschlossen die beiden, den Hof für immer zu verlassen. Sie packten einen Karren mit Lebensmitteln und Dingen, die sie für Unterkunft und Lager benötigten und machten sich schon drei Tage später auf den Weg. Und der war sehr kräftezehrend…tagein tagaus fuhren Loki und Curlie auf ihrem Karren der aufgehenden Sonne entgegen…Doch schien sich die Landschaft nie zu verändern…Wald an Wald und Busch an Busch…

Die Wochen zogen sich dahin und so langsam gingen ihnen die Nahrungsmittel aus…ebenso wie die gute Laune…immer öfter stritten sie sich…um Kleinigkeiten….und immer öfter schliefen sie nicht Arm in Arm so wie einst in glücklicheren Tagen…Doch Aufgeben, das wollte keiner von ihnen…

Eines Nachts kamen Loki und Curlie an ein Tor, das inmitten einer großen Wiese stand. Es war aus Stein, von Menschenhand gemacht und so groß wie ein ganzes Haus…sogar noch höher…

Loki erkannte das Tor sofort, doch das konnte unmöglich sein. Vor ihnen stand das Brandenburger Tor, das Wahrzeichen von Berlin. Doch nur das Tor, alleine, als ob es Berlin nie gegeben hätte…was war hier geschehen?

Loki ging geschockt darauf zu, als plötzlich…

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[Das Finale – Jan]

… eine Gruppe Menschen hinter den Pfeilern des Tores hervorsprang. Sie trugen kunterbunte Kostüme, lachten und riefen: „Überraschung!!!“

Loki und Curlie verstanden die Welt nicht mehr. Die Menschen jubelten, warfen mit Konfetti um sich und empfingen Loki und Curlie mit offenen Armen, gerade so, als hätten sie die beiden schon lange erwartet.

Curlie bemerkte, dass die Menschen nicht nur bunte Kostüme trugen, sie hatten auch bunte Haare. Da gab es Frauen mit schulterlangen veilchenfarbenen Locken, junge Männer mit himmelblauen, kurzen Haaren und blauen Bartstoppeln – alle Farben des Regenbogens konnte er wiederfinden. Er sah auch Männer mit grünen Haaren, so wie er und Loki sie einst hatten, bevor sie begonnen hatten ein „normales“ Leben zu führen und der Alltag und die Normalität die beiden hatte einander fremd werden lassen. Was Curlie jedoch am meisten gefiel, war, dass er Männer sah, die einander an der Hand hielten und Frauen, die sich liebevoll in die Augen blickten. Er spürte, dass hier der richtige Ort für Loki und ihn war, an dem sie glücklich werden würden.

Die Menschenmenge hatte die beiden mittlerweile umschlossen. Einige kamen auf die beiden zu und nahmen sie in die Arme. Andere legten ihnen Luftschlangen um den Hals und bewarfen sie mit Konfetti. Da trat einer der Männer aus der Menge nach vorne. Er trug einen Nadelstreifenanzug und eine große Torte mit Kerzen.

„Herzlich willkommen! Endlich seid ihr da. Ich habe schon ewig auf euch gewartet…“

Loki und Curlie schauten den Fremden fragend an: „Kennen wir uns irgendwie? Woher wussten Sie, dass wir hierher kommen würden?“

„Das hab’ ich in meiner Kristallkugel gesehen!“

Da dämmerte es Curlie. „Oh mein Gott, die Hexe!“

„Hey, ich heiße jetzt Klaus und kann nun endlich als Mann mit Männern zusammen sein. Das mit dem Hexen mach’ ich nur noch nebenher und den Zauberstab benutze ich nun für nützlichere Dinge als zur Teleportation. Schließlich gibt es ja die Stadtbahn. Damit läßt es sich bequemer reisen und man kommt wenigstens da an, wo man hinwill.“

„Was ist hier passiert? Das ist doch Berlin, oder?“, wunderte sich Loki. Er schaute sich um. Das Brandenburger Tor stand auf einer kleinen Anhöhe. Als er durch das Tor schritt, sah er, dass sich dahinter ein riesiger Wald erstreckte. Hier und da konnte er Straßen und Häuser zwischen den gewaltigen Bäumen ausmachen. Die Metropole Berlin, wie er sie in Erinnerung hatte, war verschwunden. Alles war mit Pflanzen überwuchert.

„Tja, der Tiergarten.“, meinte Klaus. „ Seit die Loveparade nicht mehr alles kurz und klein trampelt, hat sich die Flora wieder etwas erholt, wie ihr seht. Außerdem kann hier niemand sonderlich gut mit Rasenmähern und Kettensägen umgehen…“

„Soll das heißen, …?“, Loki fehlten die Worte.

„Ja, es ist sehr viel Zeit vergangen. Nach den verheerenden Kriegen der letzten Jahrhunderte und nachdem das menschliche Genom entschlüsselt wurde, haben ein paar Wissenschaftler entschieden, dass es besser wäre, wenn die menschliche Rasse einen anderen Weg einschlagen würde. Willkommen in einer Welt, in der es so keine Heteros mehr gibt. Die Heterosexualität, die die letzten Jahrtausende menschlicher Kulturgeschichte geprägt hatte, wurde kurzerhand abgeschafft. Dank den Fortschritten der Gentechnik könnt ihr beide nun auch miteinander Kinder haben. Mittlerweile sind einhundert Prozent der Menschheit homosexuell – das Ergebnis: keine Kriege mehr, keine Hungersnöte und Denver-Clan läuft jetzt wieder zur besten Sendezeit im Fernsehn.Tja, und außerdem wurde ich zum Bürgermeister dieser Stadt gewählt…

Naja, zugegeben: Es gibt einen Nachteil. Mit dem Handwerklichen haben wir Schwule es leider nicht so, und die Lesben weigern sich, diese Arbeit alleine zu tun. Deshalb sieht es hier auch etwas wild aus… Naja, jetzt nehmt euch erstmal ein Stückchen Torte und ruht euch aus… Äh, ihr könnt nicht zufällig mit Kettensägen umgehen? … “

Loki und Curlie wussten erst nicht, was sie von alldem halten sollten. Die Menschen hier hatten sie so freundlich aufgenommen. Sie wurden akzeptiert und mussten sich nicht verstecken. Mit der Zeit gefiel es ihnen dort und sie entschieden sich, in der Stadt zu bleiben. Sie würden hier eine eigene Familie gründen und Kinder haben. Sie fühlten sich daheim. Sie wussten, dass sie zu diesen Menschen gehörten, und daheim ist, wo man hingehört. Trotzdem gab es da noch etwas, das zu tun war, bevor die beiden glücklich werden konnten:

All die Zeit hatte Loki an seine Familie in dem weit entfernten Land denken müssen. Er konnte seinen Eltern nie sagen, dass er seinen eigenen Weg gefunden hatte. Und er hatte ihnen nie zeigen können, dass er das Glück gefunden hatte. Loki beschloss, mit Curlie zusammen zu seinen Eltern zu reisen, um ihnen die Liebe seines Lebens vorzustellen. Er bat Klaus darum, ihnen seinen Zauberstab auszuleihen, damit sie sich zu Lokis Eltern in die Vergangenheit teleportieren konnten. Die beiden versprachen sich, nichts von ihren Erlebnissen zu berichten, vor allem nichts von dem Geheimnis, dass sie seit ihrem Kennenlernen hüteten, nämlich dass die beiden, kaum dass sie sich richtig kannten, schon miteinander in der Badewanne gelandet waren. Loki schwang den Zauberstab und im nächsten Moment standen Curlie und Loki vor der Tür von Lokis Elternhaus und baten um Einlass.

Lokis Geschwister und die Mutter waren nicht zuhause, wohl aber sein Vater. Der Vater, der gleich wusste welches Unheil nun über die Familie hereinbrechen sollte, rannte in seine Kammer um die eiserne Kanone zu holen und sie auf den Sohn zu richten. Loki wusste, dass sein Vater ein krankhafter Choleriker war, und ahnte das Schlimmste. Der Vater kam zurück und gerade als er den Schusshahn ziehen wollte, schwang Loki den Zauberstab, um die Waffe des Vaters abzuwehren. Ein lauter Knall ertönte und ein greller Blitz umschloss die drei.

Diesmal hatte der Zauberstab sie nicht nur an einen anderen Ort gebracht, er hatte sie gleich in ein anderes Leben gesteckt. Am schlimmsten war jedoch, dass sie den Zauberstab während der Reise verloren hatten. Loki und Curlie wohnten in einer kleinen Dreizimmerwohnung in Merzig. Loki arbeitete in einer Automobilfabrik, Curlie absolvierte ein BWL-Fernstudium und Lokis Vater Olo, der verständlicherweise seit der unfreiwilligen Zauberstab-Reise nach Mezig Probleme hatte, Realität und Fantasie voneinander zu unterscheiden, war in der Landesnervenklinik untergebracht.

Loki und Curlie vergaßen langsam die schöne Zeit, die sie bisher miteinander verbracht hatten. Ihre Beziehung war stark belastet durch die Vorwürfe, die sie sich gegenseitig machten, wer an ihrer Situation die Schuld trage. Nur selten fanden sie Zeit für einander. Ohne den Zauberstab waren sie verdammt, dieses Leben zu leben, es gab kein zurück.

Die beiden merkten schnell, wie sehr Lokis Vater unter der Therapie litt. Zunächst durften sie ihn nicht besuchen, weil die Ärzte befürchteten, ihr Erscheinen könnte schlimme Tobsuchtsanfälle auslösen. Doch die vielen bunten Pillen die Olo über den Tag hinweg einnahm, bewirkten, dass er in einer heilen Welt lebte und keine Unterschiede mehr erkennen konnte. Alles war für ihn gleich, egal, scheißegal.

Das konnten die beiden nicht länger mit ansehen, und sie beschlossen, Olo bei sich aufzunehmen – bereit alle Risiken zu tragen. Die Ärzte stimmten zu, und Olo wurde aus der Klinik entlassen – nicht jedoch, ohne sich vorher von seinem Mitpatienten Achim zu verabschieden, der mal wieder vergeblich versuchte, einen Nagel in eine Seifenblase zu schlagen… Loki und Curlie setzten Olos Medikamente ab. Trotz aller Befürchtungen blieben die Wutanfälle aus. Jedoch redete Olo mit seinem Sohn kaum ein Wort und Curlie versuchte er, so gut es ging zu ignorieren.

Mit der Zeit verbesserte sich die Beziehung zu seinem Sohn. Olo merkte, wie sehr sich Loki und Curlie um ihn bemühten. Loki war das einzige, was von seinem alten Leben übriggeblieben war. Er liebte seinen Sohn immernoch – genauso sehr wie damals, als er ihn hatte aufwachsen sehen und seine Haare schwarz färbte, um ihn zu beschützen. Er erkannte, wie wichtig Curlie für seinen Sohn war, und er wusste, dass Loki seinen Weg gefunden hatte. Olo merkte, wie liebevoll die beiden miteinander umgingen. Es war fremd und ungewohnt, aber er sah, dass es Loki glücklich machte und das war es, was er sich für seinen Jungen immer gewünscht hatte. Doch er machte sich auch Sorgen, denn die beiden Männer stritten immer öfter.

Eines Morgens wurde Olo durch einen heftigen Streit zwischen Loki und Curlie geweckt. Sie machten sich beide Vorwürfe und warfen sich gegenseitig vor, Schuld an der dramatischen Entwicklung bei Lokis Vater zu sein. Olo kam dazu und versuchte den Streit zu schlichten. Doch es wollte ihm nicht gelingen. Da klingelte es. „Das ist sicher Frau Suhrbier, die sich über den Krach beschweren will“, meinte Olo und machte sich auf den Weg zur Tür. Da klingelte es erneut. Doch eigentlich war es kein Klingeln, dachte Olo. Irgendwie hörte es sich wie eine glockenhelle Stimme an.

„Hier unten“ Olo blickte nach unten und entdeckte auf dem Fußboden vor ihm ein kleines Wesen, das ganz in weiß erstrahlte.

„Ich denke, es ist Zeit, dass ich hier eingreife. Gestatten, mein Name ist Wieso, man nennt mich auch den Schutzengel der Andersfühlenden.“

Curlie und Loki wollten sich gerade mit dem Sonntagsgeschirr bewerfen, als sie ihren kleinen Freund entdeckten: „Wieso?“

„Genau das frage ich mich schon die ganze Zeit.“, erwiderte das weiße Wesen. „Ich habe etwas gefunden.“ Wieso zog den Zauberstab hinter seinem Rücken hervor. „Ich sollte wohl ein paar Dinge wieder in Ordnung bringen.“

Loki und Curlie jubelten und schlossen ihren Schutzengel in die Arme. Olo verstand die Welt nicht mehr. Er befürchtete, wieder verrückt zu werden. Loki konnte ihn jedoch beruhigen: „Hab’ keine Angst, jetzt wird alles gut!“ Loki und Curlie erzählten von ihren Erlebnissen und der Macht des Zauberstabes. Dann machte sich Wieso daran, Olo zurück zu seiner Familie in das weit entfernte Land zu schicken. Olo verabschiedete sich: „Ich hoffe, ihr beide werdet wieder zueinander finden und zusammen glücklich werden.“ Er nahm seinen Sohn in den Arm und Curlie reichte er mit einem Lächeln die Hand: „Pass’ auf ihn auf.“ Dann schwang Wieso den Zauberstab und Olo verschwand in einem grellen Blitz. „Jetzt seid ihr dran!“ Curlie und Loki nahmen sich an der Hand, Wieso schwang erneut den Zauberstab, und die beiden waren verschwunden.

Wieso schwang noch einige Male gedankenverloren den Zauberstab. „Jetzt ist alles so wie es sein sollte! Und nun zu dir, du sollst keinen Schaden mehr anrichten.“ Mit diesen Worten zerbrach er den Zauberstab, und somit war dessen Zauberkraft gebrochen. Wieso stand alleine in der Dreizimmerwohnung und entschied, den stressigen Job als Schutzengel aufzugeben, und die Wohnung als Nachmieter zu übernehmen…

Tja, es scheint, als wäre dies nun das Ende unseres Staffelmärchens. Wieso hat schließlich doch noch für ein Happy End gesorgt – nein, eigentlich gleich für mehrere. Bevor er den Zauberstab zerbrach und seinen Job an den Nagel hängte, hat er noch ein paar Geschichten zu Ende gebracht.

Achim, Olos Mitpatient, der 14 Jahre in der Landesnervenklinik verbracht hatte, lebte fortan auf dem kleinen Bauernhof, den Loki und Curlie auf ihrer Reise verlassen hatten. Er versuchte nicht länger, Briefmarken auf Seifenblasen zu kleben und entdeckte seine Liebe zu Pferden.

Olo kehrte zurück zu seiner Frau und seinen zwei Kindern. Die hatten sich schon große Sorgen gemacht, denn er war tagelang fort gewesen. Sie ahnten ja nicht, was passiert war. Olo erklärte ihnen, er habe seinen Sohn in der großen weiten Stadt besucht. In den folgenden Tagen erzählte er jedem von seinem Sohn mit den grünen Haaren, der mit einem Mann zusammenlebt und davon, wie stolz er auf ihn sei. Man fing an, über die Familie zu reden.

Es begann eine schwere Zeit für Lokis Familie, aber schließlich gewöhnten sich die Leute an die Situation. Es erschien nicht länger fremd und unanständig. Im Gegenteil, es war etwas besonderes und die Leute bewunderten die Familie, die inzwischen sehr berühmt geworden war. In dem weit entfernten Land kehrte wieder Ruhe ein, aber etwas hatte sich für immer geändert: Die Familien zeigten Interesse an Freud und Leid der anderen. Sie lernten einander kennen und sie kümmerten sich fortan um einander.

Curlie und Loki kehrten zurück nach Berlin, wo sie ein Haus in Kreuzberg bezogen. Eines abends lag Loki unter einer großen alten Linde und blickte in die Sterne. Er hielt Curlie im Arm und dachte zurück an all die unglaublichen Erlebnisse, die sie teilten. Als Curlie damals vor seiner Tür stand, wusste Loki sofort, dass er der richtige war. Er würde sich nicht länger in dunklen, feuchten Räumen mit anderen Männern treffen müssen. Die beiden hatten sich gleich ineinander verliebt und im nächsten Moment begann auch schon das große Abenteuer, das für sie nun hier zu Ende ging. Loki küsste seinen Geliebten auf die Stirn. Da entdeckte er ein grünes Haar an Curlies Schläfe. Er lächelte und wusste, dass sich nun alles zum Guten wenden würde.

Der Zauberstab lag zerbrochen in einer Schublade in der Dreizimmerwohnung in Merzig, direkt neben einer Tube „Gay-Glide“. Er würde noch vielen Menschen Freude bringen. Aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein andermal erzählt werden…

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ENDE