Thorstens Tollhaus

Aus alten Forumszeiten stammt die Kolumnenrubrik „Thorstens Tollhaus“ mit dem ersten und bis dato einzigen Beitrag von Torben.

Um nun dieses belletristische Schmankerl nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen, bekommt es hier sein Gnadenbrot. Und wer weiß … vielleicht gesellt sich ja im Laufe der Zeit noch die ein oder andere neue Kolumne dazu.

 

Von Flaggen und Glocken

Das Glück eines Verfassers unregelmäßiger Kolumnen liegt in der Tatsache der Unregelmäßigkeit. Doch ein Anfang muss her. Et voilà:

Beobachtungen der letzten Zeit (an mir selbst und Anderen), werfen die Frage auf, warum es „rote Flaggen“ und „Alarmglocken“ gibt, wenn diese sich nicht zeigen in entscheidenden Momenten. Gemeint sei hiermit, warum man manchmal nicht besser seinen Mund hält, um sich folgendes zu ersparen:

1. Unbedachte Peinlichkeiten auszuplaudern, um sich danach kopfschüttelnd zu fragen, was das nun wieder sollte. Und das nicht nur im Moment des Bewusstwerdens, was man für einen Müll zusammenfaselt, sondern gerne auch noch Tage später in sich wiederholenden Gedankenspielen.
2. Boshaftigkeiten auszuteilen und Kritik zu üben, die nicht angebracht ist, weil niemand danach gefragt hat. Mit Folgen, derer man sich bewusst sein könnte, würde man einfach mal drüber nachdenken, wie man selbst solche Dinge so gar nicht gebrauchen kann.

Die Ursache liegt wohl in beiden Fällen tief in Einem selbst.
Peinlichkeiten, die in Zusammenhang mit verborgenen Sehnsüchten und Wünschen stehen, die besonders gerne zum Vorschein kommen in Kombination mit Alkohol. Sie nehmen irgendwie Überhand und gewinnen an Präsenz, während man selbst sich mit jedem Schluck proportional von der Fähigkeit entfernt, diese angemessen zu artikulieren. Die eigentliche Botschaft geht mit Sicherheit verloren.
Anders ist es bei den Boshaftigkeiten, die weit über ironische Bemerkungen hinaus gehen. Diese sind auch sehr gut im nüchternen Zustand möglich. Die Erklärung hierfür scheint einfach: versteckt scheinende, aber wohl sehr bewusste, Unzufriedenheit mit sich selbst. Da liegt es doch nahe, dass man lieber An- oder Abwesende kritisiert und vor den Kopf stößt, bevor man sich selbst hinterfragt. Und an sich selbst arbeitet. Der einfachste Weg ist nicht immer der angenehmste für den Anderen. Und Fehler bei Anderen zu suchen, ist immer einfacher. Zurück bleiben feine Schnitte.

Wo ist sie denn in solchen Momenten, die rote Flagge, die einen davor warnen soll, eben nicht das zu sagen, was man gerade sagen will? Ist sie etwa da, aber viel zu klein, dass sie nicht wahrgenommen werden kann. Oder haben wir einfach nur kein Interesse daran, uns von sprichwörtlichen Stofffetzen was vorschreiben zu lassen? Von Alarmglocken ganz zu schweigen, die scheinen ja auf einer Frequenz zu erklingen, die nur Hunde wahrnehmen können.

Für Fall eins ist das Ganze nicht so tragisch, da man sich im besten Fall nur selbst zum Affen macht, Kollateralschäden sind nahezu ausgeschlossen.
Im zweiten Fall ist man selbst fein raus, und wer macht sich schon die Mühe und fragt sich hinterher, was er damit angerichtet hat?

Lösungsmöglichkeiten? Da kann ich nur spekulieren. Hilfreich ist es sicher, sich selbst mehr zu akzeptieren und auf die positiven Eigenschaften zu konzentrieren, die man entweder schon hat, oder die man selbst noch gerne entwickeln würde. An die Zukunft denken und sich fragen, ob man als alter Mann verbittert und alleine enden will. Kann man mit sich selbst denn nicht derart ins Reine kommen, dass es Hilfsmittel wie Flaggen und Glocken gar nicht erst bedarf? Da sie sowieso ignoriert werden? Das ist sicher eine große Aufgabe, wenn nicht eine Lebensaufgabe (man zeige mir einen, der das perfektioniert hat, ich kenne keinen und schließe mich selbst auch gerne aus). Doch auch kleine Schritte bringen einen voran, auf dem Weg zu sich selbst.

Weckt den Buddha in Euch!

Kopfschüttelnde Grüße
torben